Winter Concert on January 18th 2019

For this year's winter concert, we have compiled an interesting program:

We will open the evening by performing Maurice Ravel's "Pavane pour une infante défunte" (Pavane for a dead infanta). Ravel originally composed this piece for solo piano in 1899. A pavane designates a couple dance and commonly part of Spanish and Italian baroque suites, especially in the 16th and 17th century. Ravel himself declared that the title of his composition "evokes a pavane that such a little princess might once have danced at the Spanish court". Especially the use of fifths - which, at the time of the composition, must have sounded rather archaic - remind of the original style of a pavane. The composition was a large success and helped Ravel to access a broad public for the first time in his carreer. In 1909, he created an orchestrated version of the piece. However, the orchestrated Pavane does not only represent an arrangement of the "original version", but stands on its own as an independent orchestral composition. Premiered in 1911, also the orchestrated Pavane was very favourably received an proved to be a milestone for Ravel's career as a composer.

In our concert, the Pavane will be followed by another composition of Maurice Ravel, the ballet "Ma mère l'oye". The history of this composition is similar to the one of the Pavane: it was also originally composed for piano for four hands and Ravel only later created an orchestrated version. Ravel composed the movements of the ballet in several stages: in 1908, he firstly composed a piece for the children of some friends which was based on the story of the fairytale "La belle au bois dormant" (Sleeping Beauty). In 1910, Ravel composed further piano pieces based on fairytales and united them in a cycle he called "Ma mère l'oye" - a title he took from a French collection of fairytales from the year 1697 named "Contes de ma mère l'oye" (stories from my mother, the goose). For this cycle, he also set into music the fairytales of "La belle et la bête" (the Beauty and the Beast) and  "Petit poucet" (Hop-o'-My-Thumb). Additionlly, the movement "Laideronette, impératrice des Pagodes" (little ugly girl, empress of the pagodas) is based on the tale "Le Serpentin vert" (the green serpent) which is much less known outside of France. In this story, a witch transforms a beautiful princess into an ugly creature and a handsome prince into a green serpent. In the course of the story, the two of them also travel to a faraway kingdom - which is probably how Ravel came to his association with a dance of living pagodas and the pentatonic and quasi oriental structure of the piece. The fifth and last story of the cycle, "Le jardin féerique" (the fairy garden), does not represent another story but recalls the fairytale of Sleeping Beauty who is now awakened by her prince.

Nach dem Erfolg der Klavierstücke orchestrierte Ravel den Zyklus in kurzer Zeit zu einer fünfsätzigen Suite, deren Uraufführung, wie die der orchestrierten Pavane, im Jahr 1911 stattfand. Noch im selben Jahr stellte er die Sätze der Suite um, verband sie durch Zwischenspiele und schuf einen weiteren, einleitenden Satz. So schuf er ein Ballett, in dem die einzelnen Sätze jeweils unterschiedliche Märchen behandeln und doch dramatisch aufeinander aufbauen und ineinander übergehen - insbesondere durch die Übernahme des Dornröschen-Motivs in den Zwischenspielen und der Auflösung dieses Märchens am Schluss. In der "Apotheose" treten neben Dornröschen jedoch auch die Darsteller der vorigen Szenen erneut auf und freuen sich über das Glück der nun erwachten Prinzessen. Der volle Titel des Balletts lautet: "Ma mère l'oye, ballet en un acte, cinq tableaux et une apothéose" (Meine Mutter, die Gans, Ballett in einem Akt, fünf Szenen und einer Apotheose). Es wurde erstmals im Januar 1912 in Paris aufgeführt. Die Akademische Philharmonie spielt das Stück in dieser Ballettfassung, die im Vergleich zur Orchestersuite nur äußerst selten aufgeführt wird.

I. Prélude (Très lent)
II. Premier tableau - Danse du rouet et scène (Allegro; "Erstes Bild - Tanz des Spinnrads und Auftritt")
III. Deuxième tableau - Pavane de la belle au bois dormant (Lent - Allegro - Mouvement de valse modéré; "Zweites Bild - Pavane von Dornröschen"
IV. Interlude
V. Troisième tableau - Les entretiens de la belle et de la bête (Mouvement de valse modéré; "Drittes Bild - Die Unterhaltungen der Schönen mit dem Biest")
VI. Interlude
VII. Quatrième tableau - Petit Poucet (Très modéré; "Viertes Bild - Der kleine Däumling")
VIII. Interlude
IX. Cinquième tableau - Laideronnette, impératrice des Pagodes (Mouvement de marche - Allegro - Très modéré; "Fünftes Bild - Die Hässliche, Kaiserin der Pagoden")
X. Interlude
XI. Apothéose - Le jardin féerique (Lent et grave; "Apotheose - Der märchenhafte Garten")


In der zweiten Hälfte des Konzerts werden wir das zweiaktige Ballett "Der Feuervogel" (russisch Жар-птица, französisch L'Oiseau de feu) von Igor Strawinsky spielen. Das Ballett zählt zu den richtungsweisenden Kompositionen des 20. Jahrhunderts und stellt sich als idealer Gegenpol zur ersten Konzerthälfte dar: Es entstand nahezu zeitgleich mit der Komposition von Ravels Ballett und wurde 1910, ebenfalls in Paris, uraufgeführt. Ravel, der in Paris lebte, war diese Aufführung vermutlich bekannt. Zwar lernten sich die Komponisten erst 1913 persönlich kennen, doch in der Ballettfassung von Ravels "Ma mère l'oye" lassen sich teils ähnliche Strukturen wie in Strawinskys Ballett erkennen.

Der Feuervogel verhalf Strawinsky musikalisch zum Durchbruch - ähnlich wie die "Pavane" Ravel. Strawinsky, zu diesem Zeitpunkt erst 27 Jahre alt, wurde 1909 anstelle des säumigen und damals bekannteren Komponisten Anatol Liadow beauftragt, ein Werk über den Feuervogel für das Ballet Russe zu komponieren. Zur Uraufführung reiste Strawinsky erstmals nach Paris - und wurde dort über Nacht zu einer internationalen Berühmtheit. Dieser Erfolg legte den Grundstein auch für die späteren musikalischen Erfolge Strawinskys wie die Ballette Petruschka und Le Sacre du Printemps. Dennoch klingt das Ballett ganz anders als diese späteren Werke: Der orchestrale Klang erinnert an vielen Stellen an Rimski-Korsakow, der Strawinsky von 1905 an bis zu seinem Tod 1908 unterrichtete. Im spätromantisch-impressionistischen Stil gehalten weist der Feuervogel lediglich Anklänge der späteren völlig neuen Tonsprache Strawinskys mit dominierender Rhythmik auf.

Inhaltlich verarbeitet das Ballett die Themen russischer Volksmärchen und vereint diese zu einer Geschichte. Der Feuervogel als mythische Gestalt tritt in mehreren Märchen auf; er ist ein magisches Wesen, das in fernen Ländern lebt und seinem Fänger gleichermaßen Segen wie Unheil bringen kann. Daneben treten die ebenfalls verbreiteten russischen Sagengestalten Iwan Zarewitsch (Iwan der Zarensohn) sowie Kaschtschej auf, ein alter Zauberer, der oft als Gegenspieler des Helden auftritt und nur zu besiegen ist, indem man seine Seele zerstört, die er außerhalb seines Körpers aufbewahrt und versteckt. In Strawinskys Ballett jagt Iwan Zarewitsch den Feuervogel und fängt diesen im Garten des Zauberers Kaschtschej. Auf dessen Bitten lässt Iwan den Vogel jedoch wieder frei und findet so in ihm einen Verbündeten. Iwan verweilt im Garten und verliebt sich dort in die Prinzessin Zarewna (Zarentochter), eine von dreizehn von Kaschtschej gefangenen Jungfrauen. Als der Zauberer erscheint und ihn bedroht, hilf der Feuervogel Iwan, Kaschtschej zu besiegen: Er zwingt diesen und seine Dämonen mit magischer Musik zum Tanzen und zeigt Iwan das Versteck der Seele des Zauberers. Nach dem Sieg über Kaschtschej werden schließlich alle seine gefangenen und versteinerten Opfer befreit - ebenso wie die dreizehn von Kaschtschej gefangenen Jungfrauen. Das Ballett endet mit der Krönung und Hochzeit Iwan Zarewitschs mit der Prinzessin Zarewna.

Das Ballett wurde von Strawinsky später mehrfach gekürzt und in Suiten für konzertante Aufführungen umgearbeitet. Bereits 1911 erschien die erste Orchestersuite, die die sehr aufwändige ursprüngliche Orchestrierung beibehielt. Die zweite Orchestersuite (1919) sowie die Ballettsuite (1945) stellen nicht nur gekürzte Fassungen dar, sondern sind auch anders instrumentiert und werden nicht zuletzt auch aus diesem Grund häufiger aufgeführt als das ursprüngliche Ballett.

Introduction

Permier Tableau

Le Jardin enchanté de Kachtcheï (Der verzauberte Garten des Kaschtschej) - Apparition de l'Oiseau de feu, poursuivi par Ivan Tsarévitch (Erscheinen des Feuervogels, verfolgt von Iwan Zarewitsch) - Danse de l'Oiseau de feu (Tanz des Feuervogels) - Capture de l'Oiseau de feu par Ivan Tsarévitch (Fang des Feuervogels durch Iwan Zarewitsch) - Supplications de l'Oiseau de feu (Flehen des Feuervogels) - Apparition des treize princesses enchantées (Erscheinen der dreizehn verzauberten Prinzessinnen) - Jeu des princesses avec les pommes d'or (Das Spiel der Prinzessinnen mit den goldenen Äpfeln) - Brusque apparition d'Ivan Tsarévitch (Das plötzliche Erscheinen des Iwan Zarewitsch) -Khorovode (Ronde) des princesses (Chorowod [russische Form des Reigens, ein Rundtanz mit Chorgesang] der Prinzessinnen) - Lever du jour (Sonnenaufgang) - Ivan Tsarévitch pénètre dans le palais de Kachtcheï (Iwan Zarewitsch dringt in den Palast des Kaschtschej ein) - Carillon Féerique, apparition des monstres-gardiens de Kachtcheï et capture d'Ivan Tsarévitch (Das märchenhafte Glockenspiel, Erscheinen der monströsen Wächter des Kaschtschej und Gefangennahme des Iwan Zarewitsch) - Arrivée de Kachtcheï l'Immortel (Ankunft des unsterblichen Kaschtschej) - Dialogue de Kachtcheï avec Ivan Tsarévitch (Dialog zwischen Kaschtschej und Iwan Zarewitsch) - Intercession des princesses (Fürsprache der Prinzessinnen) - Apparition de l'Oiseau de feu (Erscheinen des Feuervogels) - Danse de la suite de Kachtcheï, enchantée par l'Oiseau de feu (Tanz des Gefolges Kaschtschejs, verzaubert durch den Feuervogel) - Danse infernale de tous les sujets de Kachtcheï (Infernaler Tanz aller Untertanen des Kaschtschej) - Berceuse, L'Oiseau de feu (Wiegenlied des Feuervogels) - Réveil de Kachtcheï (Kaschtschejs Erwachen) - Mort de Kachtcheï (Kaschtschejs Tod) - Profondes ténèbres (Tiefe Dunkelheit)

Second Tableau

Disparition du palais et des sortilèges de Kachtcheï, animation des chevaliers pétrifiés, allégresse générale (Verschwinden des Palasts und der Zauber des Kaschtschej, Animation der versteinerten Ritter, allgemeine Fröhlichkeit)


Wir wollen Ihnen an diesem Abend zwei bedeutende Ballette vorführen, die in ihrer jeweiligen Ballettversion nur selten zu hören sind. Wir hoffen, Sie in unserem Konzert in die Welt der west- und osteuropäischen Märchen und ihre klanggewaltige Vertonung durch zwei der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts einführen zu können. Karten sind erhältlich bei Zigarren Grimm in Heidelberg sowie online bei ztix.